Hirnschäden durch E-Zigaretten?

09.08.2019 17:31

Forscher der University of California haben es vollbracht. Endlich gibt es ihn, den Beweis das E-Zigaretten schädlich sind! In einer vollständig fundierten, professionellen und nachvollziehbaren Studie wurde unumstößlich nachgewiesen, das der Dampf von E-Zigaretten Stammzellen schädigen kann. Genauer gesagt Stammzellen von Mäusen. Tote Stammzellen. In einer Petrischale. Wow.

Jetzt fragst du dich bestimmt auch “Okay was zur Hölle?” - so ging es uns zumindest als wir von dieser Studie erfahren haben. In den Medien hast du vielleicht schon etwas zu dem Thema gelesen, mit Überschriften wie “E-Zigaretten verursachen Alzheimer” oder vielleicht auch “E-Zigaretten machen dumm”. Wieviel Wahrheit dahinter steckt erfährst du in diesem Beitrag.

Das Wichtigste zuerst: Keine Panik!

Falls du deine E-Zigarette gerade in die Ecke geschmissen hast müssen wir uns erst einmal entschuldigen. Die Studie um die es in diesem Beitrag geht ist nämlich alles andere als glaubwürdig. Bevor wir aber anfangen die Logikfehler der Studie und die schlampige Arbeitsweise der Forscher zu erläutern gehen wir erst einmal darauf ein, was die Wissenschaftler angeblich herausgefunden haben.

Die untersuchten E-Zigaretten

Die Studie um die es geht wurde von der University of California veröffentlicht, die jedoch bereits 2017 eine eher unwissenschaftliche Studie zum Thema E-Zigaretten und Bluthochdruck publizierte. Bei der aktuellen Studie wurde untersucht, wie sich der Dampf einer E-Zigarette auf Stammzellen auswirkt.

Welche E-Zigarette dafür verwendet wurde, ist in der Studie nicht ersichtlich. Allein das zeigt bereits, dass die Studie nicht professionell ist. Ein Grundsatz wissenschaftlicher Studien ist nämlich, dass diese auch für andere Forscher vollständig reproduzierbar sind. In der Studie wird nur behauptet, dass es sich um eine der meistverkauften E-Zigaretten in den USA und um einen sogenannten Cig-A-Like Verdampfer handelt. In einer Mitteilung gab die Universität bekannt, dass für die Studie ein Produkt der Marke Vuse verwendet wurde - eine tatsächlich eher weniger bekannte E-Zigaretten Marke.

Der Vorgang der Untersuchung

Für die Studie wurde die untersuchte E-Zigarette an eine Smoking Maschine angeschlossen, mit der üblicherweise der Zug an einer herkömmlichen Tabak-Zigarette untersucht wurde. Dies ist der nächste große Fehler der Studie, da eine solche Maschine nicht den Nachfluss des Liquids und das Auftreten eines Dry Burn (wenn die Watte kein Liquid mehr aufnimmt) feststellen kann. Die getesteten Umstände sind also nicht wirklich realitätsnah, denn wer zieht schon weiter an einer E-Zigarette sobald man verbrannte Watte inhaliert?

Auch das verwendete Liquid ist für eine Studie alles andere als aussagekräftig, denn mit einer Nikotinkonzentration von 44mg je Milliliter Liquid übersteigt der Nikotingehalt beispielsweise den in der EU zulässigen Wert um mehr als das Doppelte.

Der aus der E-Zigarette durch die Smoking Maschine gewonnene Dampf wurde direkt auf die Zellkultur geleitet. Bei den Zellen handelt es sich um Stammzellen von Mäusen. Diese werden gerne für biologische Tests verwendet, da sie hochempfindlich sind und stark auf äußere Einflüsse reagieren. Und hier kommen wir auch schon zum dritten großen Problem der Studie, denn: Die Zellen wurden für den Test natürlich einer Maus entnommen und sind somit tot. Tote Zellen reagieren zwar nach wie vor auf äußere Einflüsse, können sich jedoch nicht heilen. Befinden sich die Zellen aber noch in einem lebendigen Körper, werden Schäden an den Stammzellen (bis zu einem gewissen Grad) sofort repariert.

Die beobachtete Auswirkung der E-Zigarette

Und was ist nun bei der Untersuchung herausgekommen? Das kann man einmal kurz und einmal etwas ausführlicher beantworten. Die Kurzversion: Der Liquid Dampf hat die Stammzellen soweit beschädigt, dass sie abgestorben sind.

Die längere Version: Das Nikotin und die anderen Wirkstoffe in den Liquids hat die Zellmembran der Stammzellen beschädigt. Dadurch konnten Kalzium und andere Ionen in die Zelle einfließen, wodurch es zu einem Überschuss dieser Stoffe kam. Das überschüssige Kalzium sorgt dafür, dass die Mitochondrien (die Kraftwerke der Zelle die die benötigte Energie herstellen) immer weiter anschwellen. Dadurch werden sie nicht nur in ihrer Funktion beschränkt, sondern können im schlimmsten Fall sogar platzen - und das führt dann unweigerlich zum Zelltod.

Wie jedoch bereits erwähnt, wurden die Zellen hierfür in einer Petrischale platziert. Dies ist aus zwei Gründen unvorteilhaft: Zum einen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Stammzellen jemals in direkten Kontakt mit Liquid kommen nahezu bei null. Zum anderen haben unter Garantie auch andere Stoffe die wir in unserem Alltag zu uns nehmen (beispielsweise Zahnpasta, Getränke wie Energy-Drinks oder Limonaden und viele andere) ebenfalls einen schädlichen Einfluss auf Stammzellen, wenn man sie direkt damit überschüttet.

Warum die Studie lächerlich ist

Das wohl Ärgerlichste an der ganzen Studie ist, dass sie - wie viele andere Studien die gegen E-Zigaretten sind - von Tabakkonzernen gezahlt wurden. Hinter der aktuellen Studie steht beispielsweise British American Tobacco (hauptsächlich bekannt durch die Marke Lucky Strike). Die Finanzierung fand jedoch indirekt durch Spenden an Behörden statt, die dann wiederum die Studie finanziert haben. Darüber hinaus zielt die Studie wie viele andere darauf ab, dass die Aufnahme des Nikotins die größte Gefahr von E-Zigaretten ist. Aktuell betrachtet die Allgemeinheit der Wissenschaftler Nikotin jedoch nicht nur als ungefährlich, sondern sogar als hilfreich zur Vorbeugung von Demenz.

Und das Schlimmste daran: In der Studie wird kein einziges Mal wörtlich erwähnt, dass sich die E-Zigaretten explizit auf Stammzellen im menschlichen Gehirn auswirken. Diese Behauptung kam durch das extreme Aufbauschen der Medien zustande - schließlich polarisiert man mit der Headline “E-Zigaretten verursachen Demenz” mehr als mit “E-Zigaretten können Stammzellen von Mäusen in Reagenzgläsern beschädigen”.

Muss man sich jetzt sorgen machen?

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Studie nicht als Grund betrachtet werden sollte, um mit dem Dampfen aufzuhören. Zahlreiche Studien - die deutlich vertrauenswürdiger sind - belegen die gesundheitlichen Vorteile von Verdampfern gegenüber Tabakzigaretten.

Wenn du zukünftig auf Pressemeldungen stößt wie “E-Zigaretten sind schädlich”, können dir folgende Fragen helfen um herauszufinden, ob der Beitrag seriös ist oder nicht:

  • Sind die Äußerungen zur E-Zigarette objektiv?
  • Gibt es auch Kritik an der vorgestellten Studie?
  • Werden Ergebnisse hinterfragt?
  • Wer steht hinter der Studie?
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